Wenn du das liest, sind wir wahrscheinlich nicht mehr in Bangkok – je nachdem, wann du das liest, sind wir entweder schon auf Koh Samui oder ganz woanders. Bangkok, oder „Krung Thep“, wie die Einheimischen sagen (was übersetzt so viel wie „Stadt der Engel“ heißt), die Hauptstadt Thailands, ist eine Megacity, die für ihre kunstvollen Heiligtümer und ein pulsierendes Leben auf den Straßen bekannt ist. Wusstest du eigentlich, dass Bangkok nur der Kurzname ist? Der offizielle Name ist der längste Ortsname der Welt! Die Stadt wurde 1782 gegründet und ist seitdem das Herz des Landes. Wir haben eines der vielen Boote auf dem Chao Phraya genutzt. Der „Fluss der Könige“ ist die Lebensader der Stadt; früher war hier alles voller Kanäle, weshalb man Bangkok auch das „Venedig des Ostens“ nannte. Wir sind durch das Netz der Wasserwege gewandert und auch an der Altstadt Rattanakosin mit dem opulenten Großen Palast vorbeigekommen. Wir haben viel gesehen, aber sicher nicht alles – wir sind nicht in jede Touristenfalle getappt, aber in doch so einige, das gehört bisserl dazu.
Insgesamt gibt es hier ca. 2000 Hochhäuser, wobei etwa 225 höher als 150 Meter sind. Diese Skyline ist der Wahnsinn, besonders wenn man bedenkt, wie rasant sich die Stadt von einer Sumpflandschaft zur Weltmetropole entwickelt hat. Aber heute haben wir doch noch Bangkok-Programm: Wir stellen den Wecker auf 7 Uhr, brauchen ihn aber nicht, da wir wieder schlecht schlafen – keine Ahnung, woran das liegt. Unser Ziel ist noch mal der Taling Chan Floating Market. Dieser Markt ist bisserl spezieller als die ganz großen, da er erst in den 80ern eröffnet wurde, um den lokalen Bauern eine Plattform zu bieten. Wir wollen den 511er Bus erreichen, bevor die Rushhour so richtig losgeht. Also geht’s mit dem Hotel-Tuk-Tuk zur Nana Station und ab an die Haltestelle.



Unterwegs mit Grab zu den Bangkok Highlights
Der Bus kommt zwar pünktlich, ignoriert uns aber eiskalt, obwohl Brigitte brav winkt. Etwas frustriert überlegen wir: Warten wir 20 Minuten auf den nächsten oder nehmen wir ein Taxi? Jennifer und Mario haben uns die Grab App empfohlen – damit kann man Taxis organisieren und fix bezahlen, ohne lästige Preisdiskussionen. Eigentlich wollten wir das erst am Flughafen testen, aber jetzt reicht’s uns. Und ich muss sagen: Es funktioniert traumhaft! 180 Baht für die Strecke sind voll okay, insgesamt sind wir ca. 45 Minuten unterwegs. Das Taxi ist ein feines E-Auto aus China, wir haben hinten ordentlich Platz und es geht zügig dahin bis direkt vor die Tür des Marktes.
Der Markt selbst ist interessant, aber nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben. Laut Internet sollten hier die Boote dicht an dicht liegen und Essen verkaufen, das wird aber nur einmal angedeutet. Dafür verkaufen sie wieder ‚günstige‚ Fahrten mit dem Longtail-Boot. Trotzdem ist es nett, bisserl ursprünglicher als die reinen Touristenmärkte. Wir sehen vor allem Einheimische, die ihr Mittagessen in Plastiksäcken verpackt einkaufen – Plastik wird hier sowieso exzessiv verwendet. Wir probieren was Süßes: Palmkuchen, gedämpfte Bananen und Kokospudding – alles sehr lecker für gerade mal 4 Euro. Es gibt sogar zwei Open-Air-Friseure! Ich überlege kurz, aber bei dem Andrang lasse ich es bleiben. Brigitte entdeckt dann am Eingang zum Tailing Chan Market, dass es nur 600 Meter weiter noch einen zweiten Markt gibt. Das lassen wir uns nicht entgehen!



























Geheimtipp am Kanal und der „Golden Mount“
Der zweite Markt ist fast noch netter. Weniger Touristen, zwar mehr Ramsch, aber dafür weniger Gedränge und richtig feine Sitzgelegenheiten. Leider haben wir keinen Hunger mehr, obwohl das Essen toll aussieht, aber ein Iced Americano geht immer. Rund um den Markt liegt ein Tempel und ein Friedhof – zwar bisserl marode, aber sehr atmosphärisch. Brigitte kauft sich sogar ein Shirt. Wir beschließen, wieder mit dem Taxi zurückzufahren, das spart Zeit und die App zeigt uns genau, wo der Fahrer steckt.















Zurück im Hotel gönnen wir uns ein letztes Mal den Pool mit einem Bier. Eigentlich nicht erlaubt, und wir werden auch prompt freundlich darauf hingewiesen – kein Problem, wir gehen eh. Danach geht es zum Golden Mount Temple (Wat Saket). Die Anfahrt mit dem Bus ist allerdings nervenaufreibend: Über 30 Minuten warten in der Hitze, dann ein uralter Mitsubishi-Bus ohne Kühlung. Wir stauen uns Richtung Tempel, erkunden erst die Gegend und erklimmen dann die 300 Stufen. Der Tempel ist wirklich fein, sehr verspielt mit vielen Buddha-Figuren, Glocken und einer traumhaften Aussicht. Ich komme sogar mit zwei Mönchen ins Gespräch. Einer erzählt mir lachend die Geschichte eines Jungen, dem ein Krokodil ins Bein gebissen hat, und zeigt mir amüsiert ein Bild von einem Bein in einem Plastik-Krokodil – ein bisserl schräg, aber herzlich. Das Bild der Beiden habe ich verhaut, da ich nicht auf den Hintergrund geachtet habe – Shame on me. (PS: das Blogbild wurde mit KI verbessert, da Retouche am Tablet richtig schwierig ist).































Die 100 Baht Eintritt lohnen sich definitiv. Wusstest du, dass der Berg eine schaurige Geschichte hat? Im 19. Jahrhundert wütete die Cholera in Bangkok. Da man die Toten nicht schnell genug bestatten konnte, brachte man sie hierher, wo sich die Geier an ihnen labten. Man nannte sie die „Geier von Wat Saket“. Heute merkt man von diesem Grusel nichts mehr. Direkt gegenüber finden wir ein kleines Lokal für Pad Thai und Nudeln in Sojasauce mit Shrimps – ausgezeichnet! Für 210 Baht ein würdiger Abschluss, auch wenn das Lokal wohl null Sterne hat.



Ein wilder Abschluss in der Soi Cowboy
Die Rückfahrt mit dem Bus zieht sich wieder, der Verkehr ist der Wahnsinn. Aber hey, 16 Baht für uns zwei – das sind nicht mal 50 Cent. Unseren letzten Abend verbringen wir in der berühmten Soi Cowboy. Die Straße ist nur 150 Meter lang, aber ein Meer aus Neonlicht. Benannt wurde sie übrigens nach einem US-Luftwaffenoffizier, der hier in den 70ern die erste Bar eröffnete. Heute gibt es hier rund 40 Bars, Go-Go-Shows und jede Menge Trubel. Damen der Nacht, Ladyboys und sogar Ping-Pong-Shows werden angeboten (eher nicht jugendfrei). Wir spazieren ganz entspannt durch, werden ein paar Mal angesprochen, aber nie ungut. Brigitte bekommt sogar ein Angebot von einem Ladyboy, aber sie ist einfach zu müde.









Apropos Ladyboys: In Thailand sind sie als Kathoey bekannt und gelten oft als das „dritte Geschlecht“. Sie sind gesellschaftlich weitgehend akzeptiert und gehören zum Alltag dazu. Müde fallen wir ins Bett, denn die Nacht wird kurz: Um 3:30 Uhr geht es schon zum Flughafen und dann ab nach Koh Samui. Stay tuned!

