Ein feiner Kurzurlaub in Štanjel: Karst, Wein und bisserl Abenteuer

Ein feiner Kurzurlaub in Štanjel: Karst, Wein und bisserl Abenteuer

Ein Kurzurlaub in Štanjel war angesagt. Der Ort, eine der ältesten Siedlungen im Karst, thront stolz auf dem Turn-Hügel und liegt nur etwa 30 km vom Meer entfernt in der Nähe von Italien. Die Silhouette mit dem markanten Kirchturm, den ich unfassbar hässlich finde, wurde maßgeblich vom Architekten Max Fabiani geprägt. Bekannt ist die Gegend vor allem für den Teran – einen kräftigen Rotwein, der seinen Charakter der eisenreichen roten Erde (Terra Rossa) verdankt –, die malerische Landschaft und den Pršut, der hier im trockenen Bora-Wind zu seiner Vollendung reift.

Kultur und Kulinarik beim Kurzurlaub in Štanjel

Trotz Stau sind wir am 1. Mai nach circa drei Stunden Fahrt von Leibnitz aus vor Ort. Das Navi zeigt uns zwar den Weg zum Appartement, aber ein Weg ist durch einen Poller gesperrt und der andere leider nicht für unser Auto geeignet. Also haben wir uns einen Platz außerhalb gesucht, geparkt und den Vermieter angeschrieben. Er meldet sich zwar, aber der Kontakt direkt in Štanjel hebt sein Handy nicht ab. Da das Panorama Štanjel Fontana – ein lässiges Lokal direkt am Dorfeingang mit herrlicher Aussicht – voll besetzt ist und Adrian (so heißt der Vermieter) nicht abhebt, beschließen wir, erst einmal nach Gorizia zu fahren.

Wir dachten, dass Nova Gorica und Gorizia nur durch die Grenze geteilt sind – was historisch auch stimmt, da die Stadt nach 1947 förmlich zerschnitten wurde –, aber diese Orte liegen doch weiter auseinander, als gedacht. Nach einem späten Frühstück um 13:00 Uhr mit Pizza und dänischem Bier schauen wir uns die Stadt an. Das Lokal Peperino Görz war nett, aber nichts Besonderes. Das gilt leider auch für die Stadt: ganz nett, aber der Funke sprang nicht über. Das harte Nachmittagslicht auf den Fassaden war aber zumindest ein bisserl fotogen.

Auf der Heimfahrt erreichen wir dann Adrian. Er erklärt uns, dass der Poller automatisch runtergeht, wenn wir hinfahren – was aber erst nach einem weiteren Anruf wirklich funktioniert. Vor der Stadtmauer parken wir schließlich und spazieren zum Appartement. Adrian ist sehr nett und zeigt mir den Parkplatz direkt vor der Zimmertür. Das heißt aber, ich darf durch das enge Burgtor und die winzigen Gassen fahren, um dann 100 Meter retour durch noch engere Seitengassen zum Parkplatz zu manövrieren. Es gelingt natürlich ohne Dellen, aber den Plan, am nächsten Tag wieder rauszufahren, lassen wir lieber sein. Dieser Parkplatz ist doch zu stressig.

Das Štanjelski Razgledi AR ist ein renovierter Wehrturm der alten Burganlage, den Adrian vor 15 Jahren liebevoll umgebaut hat. Heute vermietet er dort zwei Appartements. Die Lage ist absolut lässig, die Zimmer sind sauber und bequem. Jetzt haben wir auch die Möglichkeit, die nebenan liegende Panorama Bar zu besuchen und eine große Platte Pršut mit Käse und Oliven zu genießen. Es schmeckt vorzüglich, der junge Kellner ist topmotiviert und extrem freundlich.

Wandern und Genießen im Karst

Leider haben die Slowenen am 1. und 2. Mai Feiertag, sodass wir nichts einkaufen können. Wir beschließen, die Gegend zu erkunden, und wandern zu einer kleinen Kapelle am nächsten Hügel. Das ist ganz interessant mit dem angrenzenden Friedhof und den teilweise uralten Grabsteinen. Eine Konoba oder ein Geschäft finden wir aber auch im nächsten Ort nicht. Der Fabiani Trail, ein Wanderweg, der die architektonischen Spuren Max Fabianis zwischen Štanjel und Kobdilj verbindet, endet aber mitten im Nirgendwo, sodass wir zurück nach Štanjel wandern. Eine nahegelegene Tankstelle bietet nur Snacks, aber zumindest gibt es dort ein Laško und Kaffee.

Im Ort selbst gibt es zwar ein Restaurant im restaurierten Schloss, aber das gefällt uns vom Flair nicht so, also geht es zum späten Frühstück wieder ins Panorama zu Pršut, Oliven und Käse. Den Rest des Tages chillen wir im Ferrari-Garten. Das ist ein wirklich lässiger, romantischer Fleck Erde, den Fabiani einst für seinen Cousin entworfen hat. Mit seinem künstlichen Teich und der kleinen Steinbrücke ist es der ideale Ort, um zu lesen, zu fotografieren und die Symmetrie der Anlage zu bewundern.

Der Ort selber ist nett und geschichtlich interessant, aber man hat in zwei bis drei Stunden eigentlich alles gesehen. Und hat einen, meiner Meinung nach, der hässlichsten Kirchtürme die ich kennen. Der Blick in die hügelige Gegend ist jedoch ein Traum. Am Abend gibt es zur Abwechslung ein anderes Lokal: wieder Pršut mit Käse, diesmal ohne Oliven. Die Panorama Bar hat uns aber besser gefallen, auch das Brot war dort bisserl gschmackiger.

Am 3. Mai geht es ans Meer, und zwar nach Monfalcone. Auf den Weg dahin suchen wir ein Lokal zum Frühstücken, aber komischerweise gibt es leider wenig. Aber eine Burg entdecken wir, Grad Rihemberk, leider geschlossen und meine Drohne weigert sich höher als 30 m aufzusteigen, aber schaut auch von außen interessant aus.

In Monfalcone, haben wir letztes Jahr auf unserer Radtour ein Lokal direkt am Wasser entdeckt, das uns extrem gut gefallen hat. Wir finden es nicht auf Anhieb, aber Brigitte hat die glorreiche Idee, unseren eigenen Blog zu lesen – und so klappt es im dritten Anlauf. La Spiaggia di Pippo in der Marina Julia ist wirklich nett. Das Essen ist vorzüglich, die Portionen zwar nicht riesig, sehr gut und was mal anderes, aber für uns passt es perfekt. Und schon wieder ein spätes Frühstück. Die Atmosphäre am Meer ist einfach herrlich.

Leider müssen wir dann wieder nach Hause. Diesmal erwischt uns der Stau voll, wir verlieren etwa 1,5 Stunden durch Verzögerungen und Umwege. Also beschließen wir, noch in Petrovce zu halten. Das dortige Restaurant Camino haben uns Petra und Andi empfohlen. Die Carbonara sind wirklich gut – Brigitte schmecken meine zwar besser, aber mir haben diese hier auch gemundet. Für einen Pausenstop auf der Reise ist das eine absolute Empfehlung.

Gesättigt und mit nur geringen weiteren Verzögerungen erreichen wir Leibnitz. Eine andere Art von Kurzurlaub dieses Mal, aber sehr fein. Habt ihr auch schon mal ein verstecktes Juwel im Karst entdeckt?

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