Wienerwald: Ein feiner Ausflug zwischen Geschichte und Pecherei

Wienerwald: Ein feiner Ausflug zwischen Geschichte und Pecherei

Auch dieses Mal beginnt der Tag ein bisserl verspätet – aber nicht wegen dem Auto, sondern weil es regnet. Irgendwann am Vormittag verwerfen wir unseren Plan, die Myrafälle zu besuchen, und suchen uns Alternativen. Sogar unser Frühstück im Freien muss einem Frühstück im Camper weichen. Erst gegen 13 Uhr hört es auf zu regnen, und wir fahren Richtung Wasserschloss Kottingbrunn, das unter dem wolkenverhangenen Himmel eine ganz eigene, mystische Stimmung versprüht.

Das Wasserschloss Kottingbrunn und seine Geschichte

Das Parken dort ist recht einfach, gleich vis-à-vis gibt es einen großen Parkplatz. Von außen sieht das Wasserschloss Kottingbrunn, dessen Wurzeln bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, wirklich imposant aus. Wir sehen uns ein bisserl um das Gebäude um, die Symmetrie der Anlage und das spiegelnde Wasser im Burggraben sind fein anzusehen. Das Museum lassen wir allerdings aus, uns ist heute einfach nicht danach. Mein Fazit: Es ist schön, es einmal gesehen zu haben, aber direkt um den Burggraben oder den See herum ist es eigentlich nichts Besonderes. Das wirklich Interessante ist jedoch die Geschichte: Das Areal wurde von der Gemeinde gekauft und wird heute als Kulturzentrum und Gemeindeamt genutzt – ein schöner Kontrast zwischen mittelalterlicher Substanz und modernem Ortsleben.

Beim Weiterfahren entdecken wir noch ein kleines Kirchenl, das wir uns kurz anschauen. Es ist eine Art Gedenkkirche für die Weinbauern der Gegend – ein stilles, nettes Platzerl mit viel Atmosphäre. Wir schauen weiter, ob es in der Nähe noch etwas Spannendes gibt, und entdecken einen Waldwanderpfad zum Thema Pecherei. Dieser Pfad beschäftigt sich mit der Harzgewinnung, die für das südliche Niederösterreich über Jahrhunderte ein lebenswichtiger Wirtschaftszweig war. Die charakteristischen Schwarzföhren werden hierfür geschickt angeritzt.

Da ein einzelner Baum \“nur\“ ein paar Kilo liefert, musste ein Pecher früher etwa 2.500 bis 3.000 Bäume betreuen, um seine Familie überhaupt ernähren zu können. Stell dir das mal vor – bei 12 Stunden harter körperlicher Arbeit am Tag! Das war kein Zuckerschlecken. Das Harz fließt nämlich nicht einfach von selbst: Der Pecher musste die Bäume in regelmäßigen Abständen anritzen, um die sogenannte Lachte zu schneiden und den Harzfluss aufrechtzuerhalten. Es war ein erstaunlich nachhaltiger Prozess, denn ein Baum konnte diese Prozedur oft 12 bis 18 Jahre lang mitmachen, ohne gefällt werden zu müssen. Allerdings taugt das Holz danach nur noch als Brennholz, da es durch das Anritzen für die Möbelherstellung unbrauchbar wird.

Kulinarischer Abschluss im Antoniusbräu

Bevor wir zurück zum Campingplatz gefahren sind, sind wir noch kurz in Leobersdorf stehen geblieben. Hier gibt es das Antoniusbräu, eine kleine Privatbrauerei mit einer richtig feinen Atmosphäre. Wir haben dort zwei Krügel verkostet – die Qualität und der ehrliche Geschmack des Bieres haben uns überzeugt. Zurück am Camper genießen wir den Rest des Rotweins von Theater im Park. Nachdem es draußen jetzt aber wieder windig und kühl wird, verziehen wir uns bisserl früher in den Wohnwagen zurück.

Hast du eigentlich schon einmal von der Tradition der Pecherei gehört oder vielleicht sogar selbst schon einmal so ein angeritztes Baumstamm-Relikt im Wald entdeckt?

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