Ein ungeplanter Lantau Island Ausflug mit Hindernissen
Servus! Wie das Leben so spielt, kommt es meistens anders, als man denkt. Unser eigentliches Ziel war Kowloon – das „Land der neun Drachen“, wie man hier sagt. Die Halbinsel liegt direkt gegenüber von Hongkong Island und ist das pulsierende, bisserl raue Herz der Stadt. Dank der „Reiseleitung“ haben wir erst mal 4000 Schritte gebraucht, nur um zur U-Bahn zu kommen. Zwei Stationen Fahrt und auf der anderen Seite wieder ein paar tausend Schritte – echtes Sightseeing unter Tage, sag ich euch.


Am Hafen angekommen, stellten wir fest, dass wir an der falschen Station ausgestiegen sind. Diesen Fehler muss ich auf meine Kappe nehmen, sonst haut mich die Reiseleitung noch. Der Weg am Wasser entlang ist zwar recht nett, und es gibt sogar einige Cafés, die schon offen haben, dazu Sportler und Fischer. Aber eigentlich suchten wir die Anlegestelle der Dschunke. Also zurück zur Metrostation. Wir irrten wieder herum, und eine nette Dame gab uns den falschen Weg an – oder ich habe einfach nach dem falschen Ort gefragt.







Gondelfahrt über die Berge nach Lantau Island
Etwas genervt entschieden wir uns spontan, nach Lantau Island zu fahren. Wusstest du eigentlich, dass Lantau die größte Insel Hongkongs ist und fast doppelt so groß wie Hongkong Island selbst? Unser Ziel war Tung Chung, ein ehemaliges Fischerdorf, das heute als modernes Tor zur Insel dient. Von dort aus führt die Seilbahn direkt zum Riesenbuddha beim Po Lin Kloster. Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns, auch den Heimweg mit der Gondel zu bestreiten – die fünf Stunden Wanderweg über die Berge wären dann doch bisserl zu anstrengend gewesen.




Obwohl: Von unserer Glasbodenkabine aus sah der Wanderweg extrem lässig aus, mit mehr Zeit wäre das sicher interessant. Wir haben uns die teurere „Crystal Cabin“ gegönnt – Kabinen mit Glasboden, was einem wirklich einen genialen Rundumblick beschert. Man schwebt förmlich über den grünen Hängen.
Der Tian Tan Buddha und das bunte Klosterleben






Der Riesenbuddha ist eine echte Touristenattraktion. Hunderte Touristen, Buddhisten und „Posisten“ sind hier unterwegs. Der Weg zum Tian Tan Buddha ist recht steil – insgesamt 268 Stufen muss man erklimmen. Die Statue wurde übrigens erst 1993 fertiggestellt und symbolisiert das harmonische Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Opferstände, wo Leute Geld spenden (und böse Touristen es wohl wieder klauen).













Im Inneren des Buddhas hängen lauter kleine Täfelchen als Gedenken an Verstorbene. In der chinesischen Kultur ist die Ahnenverehrung extrem wichtig, und diese Tafeln dienen als spiritueller Ankerplatz. Auch die bekannte Schauspielerin und Sängerin Anita Mui wird hier betrauert. Sie war als „Madonna des Ostens“ ein gigantischer Star in Hongkong, bevor sie viel zu jung verstarb.



Auch das Po Lin Kloster ist sehr spannend mit seinen Gartenanlagen und bunten Tempeln. Man sieht dort oft das Swastika, das im Buddhismus (als „Wan“-Symbol) seit Jahrtausenden als Friedenssymbol und Zeichen für Glück und Ewigkeit verehrt wird. Was rechte A..cher in der westlichen Geschichte daraus gemacht haben, hat mit der ursprünglichen Bedeutung rein gar nichts zu tun.















Wir stärkten uns im Klosterrestaurant von Po Lin. Da es buddhistisch geführt wird, gibt es weder Alkohol noch Fleisch. Aber der Mango-Milchshake mit Sago und der Mangobudding waren sehr fruchtig und erfrischend – da kann man gern mal verzichten. Das Essen war einfach, aber die Qualität der Zutaten hat absolut gepasst. Rund um den Buddha und dem Kloster ist Tourismus pur: Cafés, Souvenirshops und andere Geldabnahme Stellen :-).













Rückweg mit Weitblick und Skyline-Genuss
Runter ging es wieder mit der Gondel. Der Aufpreis für die Kristall-Gondel war okay, vor allem, weil wir dadurch deutlich weniger Wartezeit hatten. Bei der Auffahrt saß neben Brigitte eine Inderin, die sich sehr gefürchtet hat, und bei der Abfahrt eine Chinesin, die das Speibsackerl schon bereitgehalten, aber glücklicherweise nicht benötigt hat.
Aus der Gondel hat man einen perfekten Blick auf den Flughafen von Hongkong. Das ist wahnsinnig beeindruckend: Die haben dort einfach die Insel Chek Lap Kok platt gemacht, auf 7m über den Meeresspiegel und durch Landgewinnung (Abtragung von 100m hohen Hügeln) diesen gigantischen Flughafen mitten ins Meer gestellt. Er ist heute einer der größten und wichtigsten Drehkreuze in ganz Asien.




Wir fuhren mit der MTR (Mass Transit Railway) zurück nach Kowloon. Das Schienennetz hier ist Weltklasse und verbindet die Inseln teilweise unter und über dem Meer. Diesmal sind wir richtig ausgestiegen und direkt bei der Avenue des Stars herausgekommen. Hier wuselt es richtig! Man sieht die ikonische Skyline von Hongkong Island, die traditionellen Dschunken segeln im Wasser, und viele Keiler für Bootsfahrten sind unterwegs. Das Licht zum Sonnenuntergang ist auf dieser Seite viel schöner als drüben. Und natürlich gibt es Poser, Poser, Poser. Trotzdem haben wir die Stimmung genossen, und auch der berühmte Clock Tower – ein Überbleibsel des alten Bahnhofs aus dem Jahr 1915 – lädt zum Fotografieren ein.





















Die Lasershow schafften wir heute wieder nicht, da wir in einem Lokal gebratene Gans und Barbecue vom Schwein gegessen haben. Die Gans war sehr gut, das Barbecue von Brigitte leider weniger, da es sehr viele Schwarten und Knochen hatte. Die Kellnerinnen sind wohl erst im siebten Bildungsweg ins Gastgewerbe gekommen – Freundlichkeit zählte nicht zu ihren Stärken. Trotzdem war es okay, und Preis-Leistung hat im Großen und Ganzen gepasst.










Mit der Metro ging es zurück nach Hongkong Island, wo wir in der lauen Nacht noch zurück ins Hotel geschlendert sind. Nach 25.000 Schritten sind wir nur noch relativ fertig ins Bett gefallen. Was war dein anstrengendster Sightseeing-Tag bisher?
