Ein abenteuerlicher Ausflug nach Tai O auf Lantau Island
Heute entscheiden wir uns für einen Ausflug nach Tai O auf Lantau Island. Das Dorf wird oft als das „Venedig von Hongkong“ bezeichnet, was natürlich hohe Erwartungen weckt. Wusstest du eigentlich, dass Tai O eines der letzten bewohnten Fischerdörfer ist, in dem die Tanka-Fischer noch ihre traditionelle Lebensweise pflegen? Früher war dieser Ort ein wichtiges Zentrum für die Salzgewinnung und sogar ein berüchtigter Schlupfwinkel für Schmuggler.
Die Anreise beginnt entspannt: Der Doppeldeckerbus nach Tung Chung fährt fast vor unserer Hoteltüre ab. Wir ergattern Plätze in der ersten Reihe – die Aussicht ist echt okay und nach nur drei Haltestellen sind wir am Ziel.




Komplizierter wird es beim Inselbus. Dieser ist deutlich kleiner und bummvoll. Ein wichtiger Tipp am Rande: Hier wird nur Cash oder die Octopus Card akzeptiert, Kreditkarten sind Fehlanzeige. Wir kratzen unsere letzten 30 Dollar zusammen (die Fahrt kostet 28 HKD). Wechselgeld gibt es keines, aber die 20 Cent können wir verschmerzen. Die erste halbe Stunde verbringen wir stehend, während sich der Bus die steilen Bergstraßen hochquält. Nach einer Stunde abenteuerlicher Fahrt erreichen wir schließlich das Dorf.
Stelzenhäuser und der Duft von Trockenfisch
Der Vergleich mit Venedig hinkt ein bisserl. Die Häuser auf dem Wasser stehen zwar auf Stelzen, wirken aber eher wie eine Barackensiedlung. Nur wenige Bewohner haben ihr Domizil bisher modern hergerichtet. Trotzdem fasziniert die Atmosphäre: Überall sieht man Fische, die in der Sonne trocknen – von Seesternen über Seegurken bis hin zu riesigen Muscheln. Es riecht intensiv nach Meer und Tradition.
















Die Gassen sind so eng, dass keine Autos durchpassen. Das hindert die Einheimischen aber nicht daran, mit ihren Rädern in einem Tempo durchzupreschen, dass einem fast bang wird. Wer prunkvolle Paläste und romantische Kanäle sucht, ist hier falsch. Aber wenn man bei der Analogie bleiben will: Wir haben die „Rialto-Brücke“, den „Markusplatz“ (sogar mit Kuh!) und eine Miniatur-Tower-Bridge entdeckt.

















Zur Belohnung gönnen wir uns einen Cold Brew Coffee im Bubble Tai O Café, wo die Stimmung herrlich entspannt ist. Auch Weisheiten von Konfuzius sind auf Tafeln zu lesen.






Noch ein paar Impressionen.

























Um 16 Uhr treten wir die Rückreise mit der Fähre an. Für knapp 6 € für zwei Personen kann man absolut nicht maulen. Auch hier gilt: Nur Cash oder Octopus! Diesmal sind wir vorbereitet. Die Fahrt führt uns entlang der beeindruckenden Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke. Mit 55 Kilometern ist sie die längste Meeresüberquerung der Welt – ein technisches Wunderwerk, das wie eine endlose Linie den Horizont schneidet.
Leider müssen wir im Inneren der Fähre sitzen. Es ist stickig, riecht streng und die Klimaanlage ist so aggressiv eingestellt, dass mir fast die Eiszapfen von der Nase wachsen. Von Tung Chung aus nehmen wir schließlich die MTR zurück nach Hongkong Island.
Kulinarik und ein blinkendes Finale
Hungrig zieht es uns zur Stanley Street in Central, um endlich authentisches Streetfood zu finden. Die Stanley Street ist berühmt für ihre „Dai Pai Dongs“ – jene traditionellen Freiluft-Garküchen, die in Hongkong leider immer seltener werden. Die Einheimischen lieben es, aber Gemütlichkeit wird hier klein geschrieben. Ich probiere Tintenfisch mit Chili, Brigitte wählt Scrambled Eggs mit Shrimps. Es war okay und wir bekamen sogar ein Lächeln zum Abschied, aber ehrlich gesagt hat es uns kulinarisch in Thailand besser gefallen.


Den Abend lassen wir am Victoria Harbour ausklingen. Wir wollen die berühmte Lichtshow „Symphony of Lights“ sehen, die sich leider als kleiner Reinfall herausstellt. Die Gebäude blinken ein wenig, aber ohne Musikbegleitung wirkt das Ganze recht unspektakulär. Viel spannender war dagegen eine Gruppe Sportler, die am Pier zu lauter Musik ihre Übungen durchgezogen hat – das hatte richtig Energie!








Servus und bis zum nächsten Mal! Warst du schon mal in Tai O? Hat dich der Charme der Stelzenhäuser auch so zwiegespalten zurückgelassen?

