Glitzer, Hitze und pannonische Weite in Mörbisch
Wieder einmal ging es nach Mörbisch. Unseren Eriba an den Peugeot gehängt, geht es Richtung pannonische Festspielstadt. Mit einer Eintrittskarte kann man am Parkplatz vor dem Gelände übernachten, was wir auch machten. Endlich hatten wir auch einmal Glück mit dem Wetter, fast zu viel. Die 14 km nach Rust und retour waren bei der Hitze fast zu viel, aber wir sind ja sportlich.









Die Biere beim Radlertreff in Rust waren auf jeden Fall sehr willkommen. Landschaftlich ist die Strecke sehr schön; man sieht zwar wenig vom See, aber viel von den weiten Weingärten und der Landwirtschaft. Aber es zieht sich halt ein bisserl, wenn es so heiß ist. Nicht nur wir leiden unter der Hitze und der damit verbundenen Trockenheit, auch dem Neusiedler See fehlt Wasser. Das sieht man an den wenigen Stellen, wo es einen Seezugang gibt. Auch bei Das Manta sieht man, wie die Ausflugsschiffe fast auf Grund liegen. Hier haben wir uns für den Musical-Abend gestärkt.



















Die Inszenierung von „La Cage aux Folles“ im Rahmen der Festspiele Mörbisch war ein glanzvolles Highlight. Besonders die Besetzung von Alfons Haider in der Hauptrolle des Albin bestach. Haider überzeugte das Publikum mit einer beeindruckenden Mischung aus komödiantischem Timing, emotionaler Tiefe und einer großen Portion Charme. In der Rolle der extravaganten Dragqueen gelang es ihm, die Balance zwischen dem glitzernden Show-Spektakel und der rührenden Geschichte über Familie, Liebe und Akzeptanz perfekt zu treffen. Stimmlich gab es sicher bessere, aber er lebte die Rolle. Mir hat aber am besten die Rolle des Butlers/Zofe gefallen, der einige Male das Publikum zum Lachen brachte.









Die Produktion bestach durch opulente Kostüme, eine prächtige Bühnenbildgestaltung und die typische Energie eines Varietés. Alfons Haider lieferte eine starke Leistung ab, die zeigte, wie universell die Themen Toleranz und Identität sind, verpackt in ein mitreißendes Musical-Erlebnis. Nach den eher schwächeren letzten beiden Jahren hat es uns dieses Mal wieder sehr gefallen.
Kontraste in Fertőrákos: Vom Steinbruch zum Genuss
Am nächsten Tag stehen wir relativ früh auf und spazieren rund ums Festivalgelände. Am Campingplatz-Café genießen wir unseren Frühstücksespresso, bevor wir nach Fertőrákos aufbrechen. Hier wollen wir den Steinbruch ansehen und danach beim Horvath frühstücken.
Der Steinbruch von Fertőrákos ist weit mehr als eine geologische Besonderheit – er ist ein Ort tiefer Kontraste. Die gewaltigen Kalksteinwände, die heute eine beeindruckende Kulisse bieten, erzählen eine dunkle Geschichte: Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gelände als Zwangsarbeitslager, in dem politische Gefangene und Juden unter grausamen Bedingungen ausgebeutet wurden. Besonders gruselig wirkt eine Wand, an der Gefangene erschossen wurden und man heute noch die Einschusslöcher sieht.

Um die Tragik hinter der ästhetischen Kulisse zu verstehen, ist der Audioguide unerlässlich, den man dazubekommt. Er beschreibt auf 12 Stationen die Geschichte des Steinbruchs und fungiert als emotionaler Wegweiser, der durch Zeitzeugenberichte die „stummen Steine“ zum Sprechen bringt. So wird verhindert, dass der Ort zu einer bloßen Fotokulisse verkommt.














Heute herrscht hier eine spannungsvolle Ambivalenz: Die einstige Todesfalle wird durch kulturelle Veranstaltungen und Konzerte in einen Ort der Kunst transformiert. Die monumentalen Felsen, die früher wie Gefängnismauern wirkten, dienen nun als natürlicher Resonanzkörper für Musik. Auch ein Friedensmonument zum Ende des eisernen Vorhangs wurde hier installiert.
Der Besuch in Fertőrákos war aber auch ein kulinarisches Ziel: das Kovacs Kosma. Ein kleines Lokal, das vor allem für seinen Hecht-Fisch bekannt ist. Die Geschichte dieser „ungarischen“ Fischspezialität habe ich voriges Jahr schon beschrieben. Dieses Mal habe ich ihn auch gegessen. Sehr gut, sehr reichlich – für einen alleine fast zu viel. Generell ist das Lokal nett, das Personal freundlich und der Preis passt.









Warst du schon einmal in einem Ort, der so einen krassen Gegensatz zwischen schöner Natur und trauriger Geschichte hat?
Links
