Bei kühlen Temperaturen von knackigen 30 °C wird unser Pferd gesattelt und wir reiten mit 70 PS Richtung Südoststeiermark zum Biedermeierfest Bad Gleichenberg. Unser japanischer Schimmel, die Suzuki, war jetzt eine Weile beim Tierarzt, hat neue Hufe bekommen und auch sein Inneres wurde ordentlich gewartet. Bei der Hitze ist die Motorradkleidung natürlich ein bisserl weniger lustig, aber die Sicherheit geht vor – da gibt es keine Diskussion.
Das Ziel unserer Reise: Eine Zeitreise in das 19. Jahrhundert. Jedes Jahr im Juni verwandelt sich der traditionsreiche Kurort Bad Gleichenberg für ein ganzes Wochenende in eine lebendige Kulisse, um an seine glanzvolle Ära als kaiserliche Sommerfrische zu erinnern. Man muss wissen, der Ort ist eine echte Legende – schon 1834 gründete Graf Wickenburg den Kurort, und die Quellen hier waren beim Adel extrem beliebt. Der Kurpark, mit seinen uralten Bäumen und den weiten Sichtachsen, bietet die perfekte Symmetrie für dieses Spektakel. Hunderte Mitwirkende und Besucher flanieren in prachtvollen Biedermeier-Gewändern, Fräcken und Zylindern durch das Zentrum.






Heuer haben wir es zum ersten Mal geschafft, dort hinaufzufahren. Eintritt gibt es keinen, aber die Veranstalter freuen sich über eine freiwillige Spende. Es ist ordentlich heiß, und umso mehr bewundern wir die Damen und Herren in ihren schweren Kostümen. Das harte Mittagslicht knallt auf den Hauptplatz und den Park, was die Schatten tief und die Kontraste scharf macht. Vor allem sind es natürlich festliche Gewänder, aber wie ein Paar im Proletarier-Kostüm richtig bemerkte: Die Mehrheit der Menschen hatte damals eigentlich gar nicht das Geld für solche feinen Stoffe.




Die Damen und Herren lassen sich übrigens sehr gerne fotografieren, wenn man freundlich fragt. Was mir noch immer ein bisserl schwerfällt, ist es, die Models richtig zu positionieren – vor allem, da es Freiwillige sind, die einfach nur den Tag genießen. Da braucht es ein Auge für die Linien der Pavillons und die richtige Atmosphäre unter den schattigen Baumkronen des Parks. Was mir nicht immer gelingt und nächstes Mal werde ich versuchen, dynamischere Aufnahmen zu machen – so wie das Titelbild (welches leider KI generiert ist).





Es gibt jede Menge regionales Kunsthandwerk zu kaufen und auch wir haben zugeschlagen. Das Rahmenprogramm bietet Tänze junger Mädchen und Damen, die das wirklich nett und mit viel Hingabe gelöst haben, sowie verschiedene Konzerte, die den Park beschallen.






Lesson Learned und kaiserliches Fazit
Ein technischer Dämpfer: Wenn man seine Kamera für so ein Event vorbereitet, sollte man auch darauf achten, dass wirklich alle Settings passen. Ich hatte zum Beispiel mein ISO viel zu tief eingestellt – Shame on me. Trotzdem nehmen wir uns fest vor, nochmals zu kommen. Wie der alte Kaiser Franz Joseph schon gesagt hat: „Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut!“


Wart ihr auch schon einmal auf einer Zeitreise im Kurpark oder bevorzugt ihr die Moderne ohne Zylinder? Schreibt es mir in die Kommentare!
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